Filmkritik

{Kinofilm Kritik} 3096 Tage

20:10

3096 Tage

1998 wird die damals 10-jährige Natascha Kampusch auf dem Schulweg entführt. Acht Jahre später, bereits totgeglaubt, taucht sie wieder auf und berichtet von ihrer unglaublichen Gefangenschaft.
Nahezu jeder hat damals die dramatische Geschichte dieser Österreicherin mitbekommen und nun wurde ihr Buch "3096 Tage" verfilmt. Bernd Eichinger, schrieb dazu das Drehbuch bis zuletzt zu seinem Tod, woraufhin dieses von Ruth Thoma fertig gestellt wird.

Die Story

Zur Geschichte braucht man wohl nicht wirklich viel erzählen. Jedem werden die Fakten auf welchen dieser Film beruht bekannt sein.
Natascha (als Kind gespielt von Amelia Pidgeon) wird von Wofgang Priklopi (Thure Lindhardt) entführt und von ihm in eine winzige Zelle (nach Fotos rekonsturiert), hinter mehreren Vorrichtungen in den Keller gesperrt und über Jahre von ihm gequält und gepeinigt.
Es ist eine groteske Beziehung zu der er sie anfangs zwingt und die sich entwickelt, geprägt von Gewalt, Demütigungen und Nahrungsentzug, aber auch Märchenstunden und liebevolles Umsorgen mit Gutenachtküssen.
Und so wächst Natasha heran zu einer jungen Frau (ab 14 Jahre gespielt von Antonia Campbell-Hughes), gefangen mit einem Mann ohne den sie will, aber irgendwie auch nicht wirklich kann. 
Die Analyse

Ich war mir längere Zeit unsicher, ob ich mir den Film wirklich anschauen will. Psychische Gewalt ist etwas, was mir ohnehin immer die Kehle zu schnürt und nun kommt hierbei noch die Tatsache hinzu, dass es sich um eine wahre Begebenheit handelt.
Will man so etwas sehen? Geht es überhaupt jemanden was an? Ist es gerechtfertigt ein solches Schicksal für Unterhaltung zu missbrauchen?

Doch ich wage zu bezweifeln, dass sich irgendjemand in ihre Lage versetzen kann. Und schließlich hat sie das gleichnamige Buch geschrieben und nicht zuletzt auch ihr Einverständnis gegeben.
Ich denke diese Frau will uns etwas mitteilen, sich laut machen, so etwas soll nicht ein weiteres mal passieren. Es soll Mut machen. Missbrauchsopfer werden mehr und mehr dazu ermutigt sich laut zu machen, kund zu tun, vielleicht ist dies auch ein Schritt der Verarbeitung. Letztendlich ist es sie, die sich damit arrangieren muss.
Und so ließ ich mich ein auf einen beklemmenden Film, der einem die schlimmsten Horrorvorstellungen vor Auge führt – und das ohne zu intim zu werden. Man taucht vorsichtig ein in die beiden Charaktere, versucht zu verstehen wie beide getickt und gefühlt haben - bekommt allerdings nichts vorgekaut.
Wolfgang wird so zu dem kontrollsüchtigen Spießer, der im Alltag mit seiner Mutter zu Abend ist, bekocht wird und wie das absolute Muttersöhnchen rüberkommt und bei Natasche wird klar, was für eine starke Persönlichkeit dahinter steckt, nicht zuletzt, weil sie darüber reden kann.

Ab und an hat der Film Probleme mit den – im Grunde gleichbleibenden – Ereignissen keine Längen zu bekommen, die aber dennoch nicht zu Langeweile führen. Zu geschockt ist man von dem, was man zu sehen bekommt.
Und auch die ein oder andere Szene hat Schwächen und wirkt aufgesetzt. Sicherlich ungewollt fragt man sich bisweilen so das ein oder andere Mal: "Was davon ist wirklich passiert und was hinzugeschummelt?"

Amelia Pidgeon, die die junge Natascha spielt ist einfach nur der Wahnsinn. Abgesehen davon, dass man selten Kinder sieht, die so überzeugend spielen können fragte ich mich durchgehend: Wie schafft es ein Kind sich in eine solche Lage zu versetzen, wenn es nicht mal die meisten Erwachsenen schaffen?
Sie spielt die verängstigte, wütende Natascha so glaubhaft, dass es einem eine Gänsehaut über den Rücken laufen lässt.
Eher enttäuschend finde ich allerdings Antiona Campbell-Hughes, die hingegen die abgemagerte und ältere Natasha spielt. Ich kann ehrlich gesagt nicht mal genau begründen warum, da ihre Blicke absolut glaubwürdig sind – dennoch erzeugt sie nicht dieses ungute Gefühl, wie es zuvor das Kind schaffte.
Thure Lindhardt schafft es einem von Anfang bis Ende durchgehenden Ekel zu erzeugen.

Positiv erwähnen möchte ich noch die Kamera, die es schafft die Stimmung zu betonen und die klaustrophobische Enge spüren zu lassen.

Die Beklommenheit scheint nicht nur mich erreicht zu haben: Schließlich blieben am Ende des Films beim Abspann alle starr und stumm sitzen.
Es ist keine Geschichte, die man einfach so hinter sich lässt und auf Knopfdruck wieder ausblendet, weil es nur reine Unterhaltung war. Da kann man nur jeden Tag dankbar sein, dass man frei ist!

Das Fazit

Mir fällt es schwer diesen Film zu empfehlen, da ich denke, dass jeder mit einer solchen Geschichte anders umgehen wird. Dennoch ist der Film, trotz der schwierigen Thematik gelungen und gut besetzt. Ich werde den Film definitiv so schnell nicht wieder vergessen und bereue es nicht ihn mir angeguckt zu haben.

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