Filmkritik

{Kinofilm Kritik} Gravity (Alfonso Cuaron)

16:36

Augenschmaus in unendlichen Weiten 



Story

Der Weltraum. Kein Ort, an dem ein Mensch überleben könnte.
Schallwellen breiten dort nicht aus. Grenzenlose Stille.
Es bietet sich ein wunderbarer Anblick auf die Erde und die Sterne.
"600 km über der Erde gibt es nichts, das den Schall leitet. Keinen Luftdruck. Keinen Sauerstoff. Leben im Weltall ist nicht möglich"

Die erfolgreiche Medizinerin Ryan Stone (Sandra Bullock) geht mit dem attraktiven Astronaut Matt Kowalski (George Clooney) auf ihre erste und seine letzte (vor dem Ruhestand) Weltraum Mission.
Die beiden Astronauten führen zusammen mit einem dritten Kollegen Reparaturarbeiten am Weltraumteleskop ‚Hubble‘ durch, bis die Russen – was anfangs noch recht harmlos scheint - einen Sateliten zerstören.
Der Shuttle wird von herumfliegenden Weltraumschrott getroffen und letztendlich zerstört und Ryan und Matt befinden sich plötzlich ganz alleine in den dunklen Tiefen des Weltraums.



Die Analyse

Eine erschreckende Vorstellung.
Um einen herum nur Stille. Jeglicher Kontakt zur Erde verloren. Niemand hört dich schreien. Dazu das Wissen: Auch der Sauerstoff wird nicht ewig halten. Und das Weltall so groß, dass man in dessen Weiten nur ein unbedeutender Miniaturfleck ist.
Diese Stille, diese grenzenlose Weite ist es was jeden Zuschauer betroffen macht und die Gedanken und Vorstellunsgkraft eines jeden anregt und verängstigt. Es ist eine Welt, die uns völlig fremd ist. Im Weltraum herrschen andere ‚Gesetze‘, ein Leben ist dort nicht möglich. Unendliche Weiten.

Der Film "Gravity" überzeugt mit wunderbaren Bilder, die in 3D absolut beeindruckend sind. Selten hat sich 3D so gelohnt wie in diesem Film. Tausendmal hat man die Erde schon auf Fotos gesehen, doch niemals hat sie einen so beeindruckt.
Damit wir uns dem Geschehen so nah wie möglich fühlen, in diese beängstigende Lage versetzen können, raubt Alfonso Cuaron den Film nicht nur stellenweise den Ton, sondern wechselt auch in die Egoperspektive – in die Sicht von Ryan Stone - die völlig verängstigt in diese unendliche Weiten blickt.

Der Film hat mich. Ich bin mehr als begeistert und sprachlos.
Ich denke "Das könnte der neue Must See Film des Jahres werden" Und dann zur Hälfte macht er einen Knick.
Es kommt zur Wendung und der Film verliert mich und ich ihn.
Denn plötzlich ist nicht mehr dieser Gedanke, diese Einsamkeit, diese Stille, dieses Augenspektakel das was im Mittelpunkt steht. Es ist der Überlebenstrieb Ryans, welche von einer Explosion in die nächste gerät und versucht wieder auf die Erde zurückzugelangen.
Spätestens nach der dritten Explosion, dem vierten Mal Feuerausbruch, der fünften Katastrophe wird der Film in meinen Augen nur noch lächerlich. Und auch das Kinopublikum lacht.
Die heiße, durchtrainierte, halbnackte Sandra Bullock, deren Haare auch im Weltaum perfekt sitzen und nicht ein einziges Haar absteht, fasst neuen Mut und scheint stellenweise unbesiegbar zu werden.
Und das ist es, was den Film für mich zur absoluten Enttäuschung macht.

Der Film hat so viel Potential. Er gibt so viele Vorlagen, die die Vorstellung des Zuschauers beflügeln, die einen philosophischen oder zumindest Unvorstellbaren Ansatz haben (Wie viel Weltraumschrott fliegt dank dem Menschen da draußen eigentlich schon herum? Was für ein Gefühl muss es alleine in dieser Einsamkeit sein? etc.) – und dann wird die Story so klischeehaft und hollywoodlastig, dass es einfach nur noch lächerlich wirkt. Ich hätte ihm eine Chance gegeben nach der ersten Katastrophe, meinetwegen auch nach der zweiten oder dritten. Aber irgendwann reicht es eben und wirkt einfach nur noch überzogen und lächerlich.
Das faszinierende war doch, dass diese Vorstellung für den normalen Menschen zwar nicht greifbar, aber real ist. Dass die Realität dort draußen für uns doch so furchtbar und unreal erscheint. Aber diese ganze Realität wurde durch Action und Kabumm und Peng zerstört und nimmt Glaubwürdigkeit. Plötzlich baut der Film nicht mehr auf die ergreifende Stille, sondern nimmt für den Spannungsbogen Musik zu Hilfe.
Er wird zu einem typischen Hollywoodblockbuster ohne weitere Tiefe.

Die Kritik

Trotz meiner Enttäuschung würde ich jedem empfehlen sich Gravity anzusehen. ABER: Nur im 3D Kino, wenn die Möglichkeit besteht sogar in einem IMAX oder mit Thunderseats (gibt’s im Cinemaxx in Mannheim und waren echt überragend!)
Denn der Film ist für die Augen und die Denkanstöße echt ein Kunstwerk. Wer daheim noch ein bisschen weiterdenkt hat mit diesem Film sicherlich seinen Spaß!
Sollte man allerdings zu "geizig" sein (Ohja, 3D ist teuer!!!) oder nicht die Zeit finden ins Kino zu gehen, dann empfehle ich niemandem den Film daheim zu schauen (Am besten noch über Internetstream, muahaha!). Da wirkt dieser Film einfach nicht, dafür ist die Handlung zu schwach. Es ist ein Kinofilm, der durch seine Bilder und die unglaubliche 3D Technik beeindruckt.

Note: 2-3

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