Filmkritik

Das neue Fernsehformat "Schulz in the Box"

17:01

(Quelle Pro Sieben) 

Gestern lief die vorerst letzte Folge von "Schulz in the Box" und das war wirklich mal eine Sendung, die ich mitverfolgt habe, für die ich mich begeistern konnte und bei der ich wirklich gespannt auf die nächste Folge wartete, deswegen möchte ich über die Sendung, auch wenn erstmal wieder Pause ist, auch mal ein paar Worte verlieren.

Ich muss ganz ehrlich zugeben: Auch wenn ich ein absolut Filmbegeisterter-Mensch bin hasse ich Fernsehen. Ich hatte bis vor einem Jahr nur einen kleinen Fernseher, der ungefähr die Größe von einem Fußball hatte und der hat mir absolut gereicht, weil er - wenn überhaupt - einmal die Woche eingeschalten wurde.
Ich kann mir einfach nicht antun, was im TV ausgestrahlt wird ist meiner Meinung nach: absolute Volksverblödung! Aber das ist ein anderes Thema.
Jedenfalls hat sich das mit dem Fernseher 2013 dann geändert - nämlich mit dem Einzug meines Freundes und seit dem läuft die Kiste jeden Abend, wenn er von der Arbeit Nachhause kommt.
Natürlich kommt man dann auch nicht drum rum selbst manchmal einen Blick in diese mittlerweile flachformatige Etwas zu werfen und so begann es, dass die Sendung "Circus Halligalli" zu unserem Montags-Ritual wurde.
(Quelle Pro Sieben)
Eine wirklich witzige Kopfausmach-Sendung mit Joko und Klaas (die beide ja wirklich zu putzig sind ;-) ) Langer Rede kurzer Sinn: Auch Oliver Schulz hat in diesem Format den ein oder anderen Auftritt, aber ich muss zugeben, dass ich nicht gerade ein sonderlich großer Fan von ihm dadurch wurde.
Das änderte sich aber, als die erste Pilotenfolge von "Schulz in the Box" ausgestrahlt wurde. Klar, als "Circus Halligalli" Verfolger gehörte das doch irgendwie dazu auch mal einen Blick in dieses neue Format zu werfen. Und so kam es, dass - als bei der ersten Folge dann der Abspann lief- ich erst einmal verwundert zu meinem Freund blickte.
"Die Sendung war echt gut!" Mein Freund nickte zustimmend. "Ich fand die auch echt interessant!"

Aber mal Schritt für Schritt.
„Jetzt stehe ich vor meinem 40. Geburtstag und frage mich: Was wäre, wenn ich einen anderen Lebensweg eingeschlagen hätte? Wäre ich glücklicher, zufriedener? Oder lebe ich schon das Leben, das am Besten zu mir passt?“, fragt sich Olli Schulz im Vorspann seiner Sendung. Und genau das ist auch der Grund warum Olli in eine Box gesteckt wird und nicht weiß, wohin er dieses Mal 'verschifft' wird.
An unbekannten Orten soll er neue Eindrücke gewinnen, neue Erfahrungen sammeln und auf diese Weise auch Dinge erleben, die man wohl im Normalfall selbst nie erleben würde. Dafür muss er nicht einmal unbedingt nach Tokyo oder Moskau (wohin er unter anderem geschickt wird), da reicht auch schon der Blick nach Deutschland. Zu der Berliner Aktivisten Gruppe "Fuck for Forrest" z.B. - die um den Regenwald zu retten Pornos dehen - oder auch ins Hannover' Gefängnis.

(Quelle Pro Sieben)


Besonders beeindruckend finde ich die Art wie Olli die Dinge sieht und wie er an die einzelnen Besonderheiten herantritt. Dass die Leute in Tokyo trotz Millionen Einwohner extrem einsam sind haben wir sicherlich schon alle einmal gehört, aber auf welche Art und Weise sie ihrer Einsamkeit Milderung verschaffen wollen ist für die meisten dann doch etwas Neues und doch auch sehr sonderbar. Oliver Schulz gibt uns einen Einblick in seine Gefühlslage in der jeweiligen Situation, teilt uns seine Gedanken mit und man kann das Unwohlsein oder auch die Verwunderung direkt auf sich übertragen.
Wichtig hierbei ist, dass er dabei Mensch bleibt. Ja genau, so ein richtiger Normalo. Wie du und ich. Nicht wie ein Prominenter dem die Kohle ausging und nach einem neuen gewinnbringendem Format sucht oder einem Moderator, der nicht authentisch ist. Er ist und bleibt er selbst und das als emotionaler, nachdenklicher Mensch. Es wirkt realistisch und authentisch.
"Die Leute wussten natürlich dass da eine Kamera dabei ist und haben sich dementsprechend verhalten und konnten sich gut verkaufen!" sagt er zum Beispiel über die Gefängnisinsassen und gibt so zu, dass das Fernsehformat nie das wiedergeben kann, was tatsächlich im Inneren abläuft. Und nicht nur einmal fällt in der Folge, in der Oliver den reichen Moskauer besucht das Wort "großkotzig" und sagt was viele denken.
(Quelle Pro Sieben)
"Schulz in the Box" ist witzig und zugleich auf kuriose Art und Weise philosophisch. Man beginnt zu Hinterfragen, denn dafür stellt Olli zuvor schon die richtigen Fragen. Man versucht sich selbst in die Lage zu versetzen. Denkt nach! Und das ist es wohl genau das, was die Sendung ausmacht: denn wann musste man zuletzt bei einer deutschen Fernsehsendung genau das tun?
Mir gefällt Oliver Schulz Art zu denken und an die Dinge heranzugehen - und gewinnt volle 100% auf der Sympathie-Skalar.

Ich freue mich schon, wenn die neuen Folgen wieder losgehen. Denn dann ist Montag Abend nicht mehr nur witziges "Circus Halligalli" angesagt, sondern endlich wieder mitfühlen, neues entdecken und vor allem eins: Kopf anlassen und mitdenken!


Nachträglich möchte ich noch ein Statement von Olli aus Facebook hinzufügen, was ihn noch tausendmal sympathischer macht, als er mir ohnehin schon geworden ist.

"Guten Abend, 
es folgt ein viel zu langer Text für Facebook, aber ihr könnt ja zwischendurch Pause machen beim lesen  
Schulz in the Box geht jetzt erstmal in den Frühjahrsschlaf. Vielen lieben Dank fürs zuschauen und die vielen positiven Kommentare und Emails. Die Sendung wäre allerdings nicht mal halb so gut geworden, wenn ich nicht so ein fantastisches Team dabei gehabt hätte. Kamera, Ton, Cutter & Redaktion - Alles Spitzenleute, die mir erst die Möglichkeit gegeben haben, mich so entspannt vor der Kamera zu bewegen.
Außerdem hat Pro7 uns bedingungslos vertraut und einfach machen lassen, was im Medienbusiness wirklich keine Selbstverständlichkeit ist.
Circus Halligalli & Schulz in the Box werden übrigens von der gleichen Produktionsfirma hergestellt und es sind die gleichen Menschen, die dahinter stecken. Deshalb erübrigen sich für mich irgendwelche Wettbewerbsvergleiche wie sie z.b. gerade auf Bild Online zu lesen sind.
Wenn ich vor fast 3 Jahren nicht auf Klaas Angebot eingegangen wäre, bescheuerte Fickgedichte als Erotikexperte bei Neoparadise vorzulesen, hätte ich heute sicherlich nicht Schulz in the Box gemacht. Zu wenig Ehrgeiz und zu viele schlechte Erfahrungen bei einem anderen TV Sender, hätten mich wahrscheinlich immer tiefer in eine Höhle aus Schwermut und Zweifel verkriechen lassen.
Auch wenn mich die positiven Kritiken wirklich erfreuen, kenn ich doch inzwischen einfach zu gut den ständigen Stimmungswechsel, der jederzeit statt finden kann: Schulz, du hast dich verkauft, früher warst du besser, mach mal wieder was asoziales, du bist nur noch peinlich, mach mal wieder Musik etc.
Was ich sagen will: Das Leben ist zu kurz um sich ständig nach der öffentlichen Meinung zu richten.
Heute Morgen bin ich aufgewacht und habe gelesen, dass Hermann Rieger, der ehemalige Masseur des HSV, gestorben ist. Das war der erste Mensch, von dem ich mir als Kind ein Autogramm geholt habe. Letzten Sommer sind wir uns bei einem Charity Fussballspiel nochmal begegnet. Ein herzliches Urgestein, das man einfach nur mögen konnte. Und als wenn das noch nicht traurig genug wäre, erfahre ich als nächstes, dass Kralle Krawinkel, Gitarrist der legendären Band Trio ebenfalls gestorben ist. Das Debütalbum von Trio ist immer noch ein unerreichter Meilenstein und war produktionstechnisch Vorbild für meine letzte Platte.
Also, geniesst das Leben, denn nur wenige Dinge sind wirklich wichtig. Alles andere ist nur Entertainment.
Und jetzt bitte einmal laut aufdrehen: LOS PAUL, DU MUSST IHM VOLL IN DIE EIER HAUEN, DAS IST DIE ART VON GEWALT DIE WIR SEHEN WOLLEN, WENN AUCH NICHT SPÜREN WOLLEN….(Was fürn Hammer Text)"




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