Die Nuss

Sein Hobby zum Beruf machen

14:29

"Oh man" seufzt mein Freund neben mir und schaut genervt auf die Straße vor ihm.
Wir sind gerade auf dem Heimweg von Berlin, wo wir ein Wochenende Urlaub gemacht haben.
"Ich hab keine Lust auf arbeiten morgen!" Meine Schwester schließt sich im seufzend an. "Und ich hab keine Lust auf Schule!"
Ich blicke die beiden an und verstumme. Ich kann in diesen Singsang nicht mit einsteigen. Ich freue mich auf das arbeiten am nächsten Tag. Und damit will ich keinesfalls sagen, dass ich die Auszeit und das gemeinsame Wochenende mit den zwei besten Menschen in meinem Leben nicht genossen habe, aber ich freu mich auch jeden Tag aufs Neue meinen Beruf ausleben zu können - und mittlerweile sogar davon zu leben!

Ich habe wirklich schon viel gearbeitet in meinem Leben. Natürlich waren das nur Nebenjobs, dennoch: Mich hat es nie lange irgendwo gehalten. Meistens wurde mir die Arbeit sehr schnell fad. Ich hatte das Gefühl, dass ich mich nicht wirklich integrieren kann. Und damit meine ich gar nicht mit dem Team, sondern in die Arbeit an sich.
Für mich war die Arbeit nur reines Geld verdienen. Während andere wirklich Spaß daran hatten und gerne zur Arbeit kamen habe ich nur gewartet bis die Zeit endlich rum war.

Als das Abi immer näher rückte bekam ich es mit der Angst zu tun.
Ich bin kein Mensch mit sonderlich vielen Talenten. Ich war ganz gut in Mathematik. Das wars aber auch schon. Ich überlegte Mathematik auf Lehramt zu studieren und wurde von meinem Mathematik Lehrer sogar dazu ermutigt. Und dennoch hatte ich Zweifel, weil mir das Angst machte. Wollte ich wirklich mein ganzes Leben lang Mathematik unterrichten?
Doch was gab es sonst in was ich gut war? Philosophie und Psychologie interessierte mich sehr, aber meine Eltern hielten mich für verrückt, als ich ihnen das erzählte.
In Gestaltung war ich ganz gut. Ich hatte mir Photoshop mit 14 Jahren selbst beigebracht und entwarf allerhand in meiner Freizeit. Und dann war da noch mein Hobby: Filme.

Und so landete ich beim Film. Sozusagen. Also ich studierte Video. Digital Media, Media Direction nennt man das. Fünf Jahre vergingen wie im Flug. Und dann machte ich mich selbstständig. Und ich muss sagen: Bis heute habe ich das Gefühl, dass ich das einzige was ich kann zu meinem Beruf gemacht habe. 
Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht.
Und ich bereue es keinen Tag.

Viele können das nicht verstehen. Sie brauchen eine strikte Trennung von Beruf und Hobby. Aus Angst, dass ihr Hobby irgendwann nicht mehr ihr Hobby ist, sondern sie es nur noch mit Pflichten verbinden.
Ich muss ehrlich zugeben:Im Urlaub und in meiner Freizeit bleibt die Kamera daheim. Da muss die nicht mehr sein. Aber ich liebe es jeden Tag aufzustehen und zu arbeiten. Ich liebe es zu filmen, zu fotografieren, mir neue Geschichten auszudenken. Und ja, bis weilen find ich es sogar ganz okay meine Steuern zu machen.
Ich kann mir nichts anderes vorstellen, als jeden Tag dafür zu arbeiten mit dem was mir richtig Spaß macht. Was mir nicht langweilig wird. Und bei dem es mir Spaß macht mich weiter fortzubilden. Neues in mich aufzusaugen.



Am Wochenende waren es genau zwei Jahre, die ich hinter mich gebracht hatte. Zwei Jahre Selbstständigkeit. Und das dritte Jahr hat demnach bereits begonnen.
Wie schnell die Zeit doch vorbei geht.
Zwei ganz unglaubliche Jahre. Ich habe so viele tolle Menschen kennengelernt. So viele tolle Jobs gehabt. So viele tolle Kooperationen geschlossen. Die besten Kunden der Welt gehabt.
Natürlich gibt es immer auch Schattenseiten einer Sonnenseite, die waren jedoch so gering, dass ich mich diesen lieber in einem anderen Post widmen werden ;-)

Jetzt gerade bin ich einfach nur glücklich.
Ich starte sehr optimistisch in dieses neue Jahr. Und ich drücke virtuell gerade alle, die mit mir diesen Weg gegangen bin. Danke. Ich bin froh, dass ich jeden einzelnen von euch kennenlernen durfte.



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