Die Nuss

Wie man keine Bewerbungen schreiben sollte, Part I

13:03

Ich bin eigentlich echt nicht der Fan davon Emailverkehr mit der Öffentlichkeit zu teilen, da ich mich aber 1. doch gerade sehr über so eine solche Reaktion ärgere und 2. auch ein bisschen die Hoffnung habe ein klein wenig "So macht man's nicht" mit an die Hand zu geben, hier mal ein kleiner Emailverkehr bezüglich einer Bewerbung:


Angefangen hatte alles mit einer einzeiligen Mail:

"Sehr geehrte Damen und Herren,

ich wollte mich erkundigen, ob sie Ausbildungen für 2016 anbieten.

Mit freundlichen Grüßen
.."

Ich hatte mich eine Weile gewundert und überlegt, ob ich auf diese Mail überhaupt antworten sollte.
Da absolut kein weiterer Satz drin stand (zB "Hallo ich bin xy und da ich 2016 mit meinem Realschulabschluss fertig bin suche ich derzeit nach einer Ausbildungsstelle." etc.),  kam mir diese Mail schon wie eine Spammail vor.

Dennoch machte ich mir die Mühe und schrieb eine gut gemeinte Absage. (Und ja, sie war wirklich gut gemeint, da ich - naiv wie ich bin - davon ausging ich könnte einem Teenager im Not helfen noch etwas zum Thema "Bewerbungen" zu lernen. )

"Hallo xy,
 

tut mir Leid, aber bei mir kann man leider keine Ausbildung machen, da ich ein sehr kleines Unternehmen bin und nicht berechtigt bin auszubilden.
Auch, wenn ich dazu berechtigt wäre sind meine Kapazitäten bereits völlig ausgeschöpft, entschuldige.

Als kleinen Tipp, den ich dir aber noch an die Hand geben möchte für deine weiteren Bewerbungen: Informiere dich über das Unternehmen, bevor du es anschreibst.
Hättest Du auf einer meiner Seiten vorbeigeschaut wüsstest du, dass mein Unternehmen nur aus mir besteht und nicht "Damen und Herren" - selbst meine Assistenzen sind alles Damen.
Einen Ansprechpartner findet man in den meisten Fällen auf der Homepage.

Auch einen kurzen Satz über dich, auch wenn es noch nicht die eigentliche Bewerbung ist, lässt dich schon ein wenig im Kopf bleiben.
Ich bin ehrlich, ich dachte im ersten Moment die Mail sei Spam, weil sie absolut random ist.

Ich wünsche dir noch ganz viel Erfolg bei deiner weiteren Suche nach einem Ausbildungsplatz.

Liebe Grüße,
Natalie (Rehberger)"


Ich hatte die Bewerbung tatsächlich schon beinahe vergessen (Ja, ich bekomme wirklich viele komische Bewerbungen), da kam nun diese Antwort, die an Dreistigkeit meiner Meinung nach kaum zu überbieten ist:

"Sehr geehrte Frau Rehberger,


vielen Dank für Ihren Tipp. Da es jedoch in der Umgebung viele Firmen in Medienbranche gibt, lässt sich dies nicht so verallgemeinern.
Ihr Unternehmen ist somit wie eine Nadel im Heuhaufen. Bedeutet für mich, dass Ihr Unternehmen bei meinen Nachfragen keine größeren Aufwände wert ist.
Da selbst größere Firmen, die sich beispielsweise auch mit der Filmproduktion beschäftigen, auf meine Anfrage mit einem einfachen Ja und Nein antworteten, ich Ihnen daraufhin eine Email mit meiner Bewerbung als PDF sendete und zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wurde, scheint dies Beweis genug zu sein, dass ich dadurch den größtmöglichen Erfolg erziele. 

Aufgrund der Tatsache, dass selbst Ihre Assistenzen alle Damen sind, verleiten Sie mir den Anschein, Ihr Unternehmen benötige keine männlichen Mitarbeiter.
Ebenfalls wenig Sinn ergab für mich Ihre Aussage mit dem Ansprechpartner auf der Homepage, da Sie selbst logischerweise die Ansprechpartnerin Ihres Unternehmens sind, an die ich mich wandte.
Eine Benutzung des Kontaktformulars, falls Sie auf dieses anspielten, ist absurd.

Ehrlich gesagt, als ich diese Email las, musste ich laut lachen. 

Ich bin mir sicher, Sie werden meinen Namen noch einmal hören und sich ärgern. 

Hochachtungsvoll
Ihr xy"

Was man meiner Meinung nach aus diesem Mailverkehr lernen sollte:

- Schau bei deinen Bewerbungen wenigstens eine Minute auf die "Über Uns/Mich" Seite eines Unternehmens, bevor du die Mail rausschickst
Ja, oft ist das wirklich schwer herauszufinden, wer der Ansprechpartner ist. Aber spätestens wenn die Email mit einem Nachnamen beginnt, sollte das einfach zu klären sein

- Auch wenn du nur kurz anfragen möchtest, ob sich eine Bewerbung überhaupt lohnt, schreibe wenigstens eine kurze persönliche Zeile. Die muss nicht wie die von mir oben Angegebene sein, aber zeigt wenigstens, dass du kein Roboter bist
Eine weitere Zeile hätte ebenfalls kein Problem für Copy Paste darstellen müssen ;-) 

- Als Bewerber möchtest DU etwas von einem Unternehmen, nicht umgekehrt. Es ist also fraglich wie vorteilhaft ein solcher Schuss für dich tatsächlich ist.
Desweiteren sollte dir klar sein, dass gerade in der Medienbranche alle ganz gut vernetzt sind und sich so etwas schnell herumsprechen kann (zB Beim Filmer-Stammtisch) Überlege vorher welchen Blick das auf dich wirft.

- Beende eine Email nie mit überheblichen Worten. Hochmut kommt vor dem Fall ;)

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