Die Nuss

Vom loslassen... | Ich, die nicht loslassen kann

13:05


Sich öfter mal von Dingen trennen
Und vor allem: Sich von dem trennen, was einem nicht gut tut

Ein Satz, der erstmal ziemlich logisch klingt, oder? Warum sollten wir uns auch nicht von Dingen trennen, die einem nicht gut tun? Schließlich tun sie uns ja nicht gut, belasten uns, sind nur eine Bürde. Ein Koffer, der viel zu schwer ist, um den weiteren Weg zu beschreiten.
Im Kopf wissen wir sicher alle, dass das was uns nicht gut tut, keinen Platz in unserem Leben haben sollte.
Aber sind wir mal ehrlich: Wie oft lässt sich das so konsequent durchführen?
Da gibt es immer diese ganzen Wenn und Aber. Wer weiß, ob ich aus dem schwerbeladenen Koffer nicht doch irgendwann etwas brauchen könnte?

Ich bin ein Mensch, der sich sehr, sehr schwer von Dingen trennen kann.
Das fängt schon bei den kleinsten, unwichtigsten Gegenständen an, da heißt es dann:
"Man könnte die verbogene Klammer sicher noch einmal gebrauchen, ich bekomm sie bestimmt wieder zurecht gebogen" oder "Aber der hässliche Pulli ist doch von Großtante Amelie".

Als ich und mein Freund damals zusammen gezogen sind war er derjenige, der dafür gesorgt hat, dass ich nicht noch weitere 5 Umzugskartons belade - sondern auch öfter mal zum Müllsack greife.
Meine Mutter hat das in meiner Teeniezeit daheim noch übernommen. Und ich habe sie dafür 'gehasst'.
Jahre später hab ich dann mein Horten letztendlich zu meinem Beruf gemacht, bin Erinnerungssammler. Momente, Gefühle, Messages gebannt auf Foto oder Video.

Aber die Dinge tun doch auch niemanden weh, höre ich jemanden aus der letzten Reihe schreien, ist doch auch nicht so wichtig sich davon zu trennen. Jedem das Seine.
Ja, das stimmt. Diese Dinge tun einem nicht weh.

Aber meint ihr, dass das mit Dingen bei mir anders wäre, bei denen es eben so ist? Die mir nicht gut tun, mich auf meinem Weg zurück ziehen, mich nachts sogar nicht schlafen lassen?

Oft muss ich an eine 'Freundin' aus Kindheitstagen denken. Sie hat mich ziemlich oft besucht damals, eigentlich sogar fast täglich. Immer wenn es nicht nach ihrem Kopf ging (Wenn ich zB etwas anderes spielen wollte als sie, sie nicht den Film gucken wollte, den ich gucken wollte, etc. etc.) ist sie wutbrausend davon gerast. "Wenn wir das nicht machen, dann geh ich". Und schon eilte sie aus der Tür. Ich erinner mich nicht mal mehr wie sie aussah, geschweigedenn wie sie hieß, kann aber sofort das Gefühl wieder abrufen, welches sie in mir auslöste. Heulend rannte ich ihr hinterher, flehte sie an wieder zurück zu kommen, ich würde auch mit ihr das spielen, was sie wollte.
Und sie kam wieder zurück. Als Kind hatte ich keine Probleme andere Kinder kennenzulernen, hatte einige Freundinnen, warum ich das also immer und immer wieder mitmachte ist mir bis heute ein Rätsel.
Ich wollte einfach nicht dass sie geht. Und konnte sie auch als Freundin nicht gehen lassen. Das ging wirklich ewig und immer wieder so mit ihr.

Natürlich hat diese Art von "Nicht gehen lassen können" bei mir über die Jahre dann doch etwas abgenommen. Schwer gefallen ist es mir dennoch immer wieder. Menschen, die ich ins Herz geschlossen hatte, kontaktierte ich immer und immer wieder, weil ich mir nicht vorstellen konnte sie aus meinem Leben gehen zu lassen.
Dumm nur, wenn man die Einzige Partei in dieser Beziehung ist, die das so sieht. Und nach fünf Jahren des Nichtsehens nur kurze und knappe oder gar keine Reaktion mehr bekommt.
Das schmerzt. Und ist bis heute noch immer schwer für mich.

Aber in den letzten Jahren hab ich mich in dieser Hinsicht stark geändert. Hab gelernt, dass ich loslassen muss. Um aber für heute den Rahmen nicht mehr weiter auszudehnen oder gar zu sprengen fahre ich damit in einem anderen Post fort.


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