Die Nuss

Vom loslassen II | Selbsterkenntnis

17:16


Wie ich euch bereits groß und breit erklärt habe war das loslassen für mich schon immer ein Problem. (Siehe Blogartikel)
Immer wieder hab ich auch bemerkt, dass es vielen nicht so geht wie mir. Das spürte ich eben gerade durch verlorene Freundschaften oft am eigenen Leib, sah aber im Gegenzug dennoch auch immer wieder, dass andere Menschen solche Kapitel einfach schwerer abschließen konnten.
Oft aber gab es die eine Person, die eine Sache oder den einen Gegenstand, bei denen es anderen schwerfiel und diese nicht loslassen konnten.
Ich sah wie sie sich jahrelang durch Beziehungen quälten, obwohl sie mehr Tränen und Schweiß mit sich brachten, als Glück und Zufriedenheit.
Ich sah wie Menschen bestimmte Gefühle, seien sie liebender oder wütender Art, einer Person gegenüber nicht loslassen konnten, obwohl es ihnen nicht gut tat.
Ich sah wie Menschen Erinnerungen immer und immer wieder aufriefen, obwohl sie die Person nur runterzogen.
Und merkte an mir selbst, dass ich selbst so war. Und noch viel extremer als die meisten.

So steckte ich zum Beispiel in einer Beziehung mit einem absoluten A*******, der mich wieder und wieder verletzte, demütigte, betrog, verarschte und ganz unschön behandelte. Aber ich schloß die Augen davor. Und kam immer und immer wieder mit ihm zusammen.
Jahre später lernte ich einen Mann kennen, der mich vom ersten Moment an total verzauberte. Das merkte er und spielte damit. Ich konnte ihn nicht gehen lassen, obwohl ich genau Begriff, dass er mir nie das geben würde, was ich wollte.
Ich ließ mich beruflich immer wieder auf die falschen Leute ein, in der Hoffnung sie würden mich zumindest davor bewahren hungrig ins Bett zu gehen. Ich ließ mich schlecht bezahlen, arbeitete unter harten Bedingungen oder mit Personen zusammen, mit denen ich eigentlich gar nicht klar kam oder die nur meine Arbeitskraft ausnutzten.

Irgendwann, und ja, erst jetzt kommt tatsächlich der persönliche Part in dieser 'Story', begriff ich, dass ich zwar dafür sorge, dass es den Menschen um mich herum gut damit geht, wenn ich so bin, wie ich bin. Ich selbst damit aber am wenigsten klar kam.
Ich realisierte, dass die Menschen, die es mit allen immer gut meinen oder immer wieder Chancen einräumen, eben auch nicht immer etwas zurück bekommen, egal wie lange man wartet.
Und versteht mich nicht falsch, ich bin sicher kein dummer Mensch. Ich merkte und weiß, wenn Menschen mich schlecht behandeln. Aber die Hoffnung auszuharren und doch irgendwann die Einsicht des anderen zu spüren, so wie die Unfähigkeit loszulassen ließen mich nicht anders handeln.
Doch ich zerbrach daran.

Ich began mich damit auseinander zu setzen warum das so ist.
Schnell begriff ich für mich (das muss aufkeinenfall auf andere zutreffen), dass die Scheidung meiner Eltern keine unerhebliche Schuld daran hatte.
Meine Eltern hatten sich scheiden lassen, als ich drei Jahre alt war. Man sollte meinen, dass man das in dem Alter doch gar nicht so begreift. Doch ich, die bei ihrer Mutter in einer wohlbemerkt liebevollen Familie mit (Stief)vater aufwuchs, sehnte mich immer nach jedem bisschen Liebe, das mir mein leiblicher Vater entgegen brachte.
Ich sah ihn nicht oft. Alle zwei Wochen, eher seltener. Den größten Teil seiner Zeit mit mir verbrachte er jedoch damit in seinem Verein Fußball zu spielen oder mich zu meiner Cousine zu bringen. Wenn er dann mal nach dem Training zu mir rüberkam, liebend (wie ein Vater das eben mal macht) mir über den Kopf strich wünschte ich mir, dass er damit nie aufhören würde.
Doch wirklich geliebt, und das realisierte ich erst viele Jahre später, hatte ich mich von ihm nie gefühlt und ich begriff, dass das der Grund war, warum ich so vieles nicht loslassen wollte. Ich wollte nicht, dass jemand losgelassen würde, wie ich es wurde.

Und das Begriff ich erst als ich mir die Zeit nahm mich selbst zu analyisieren.


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