Dies und Das

INTERVIEWREIHE Seine Leidenschaft zum Beruf machen, Niels Gremm

15:30

Weiter geht es mit der Interviewreihe - diesmal ein lieber Freund von mir, der sich als Personaltrainer selbstständig gemacht hat :-)



Foto: Nuts Photography
Nuts: "Hey Niels, schön, dass du auch etwas zu diesem Thema beitragen willst. Für alle die dich noch nicht kennen erstmal: Erzähl doch erst einmal wer du bist und über welche deiner Leidenschaften wir heute sprechen."

Niels: "Ich bin Niels Gremm, 30 Jahre, Sportwissenschaftler und selbständiger Personal Trainer aus Mannheim. Meine Leidenschaft ist eigentlich schon seit ich denken kann der Sport. Besonders das Fitness- und Krafttraining ist ein wichtiger Teil in meinem Leben. Deshalb ist sehe ich meine Aufgabe auch darin, andere von meiner Leidenschaft zu begeistern. Noch schöner ist es dann wenn Menschen durch mich ihre Ziele erreichen. Das können dann z.B. sportliche Ziele sein, ein besseres äußeres Erscheinungsbild oder mehr Leistung im Beruf und Alltag. Ich möchte zeigen wie man mit ehrlichem und intelligentem Training seine Ziele erreichen kann. Schritt für Schritt."

Nuts: "Mit dieser Leidenschaft liegt der Beruf natürlich nahe. Wie aber kamst du zu der Entscheidung dann tatsächlich Personaltrainer zu werden und dich als solcher selbstständig zu machen?"

Niels: "Die Entscheidung kam nicht über Nacht, es war eher ein fließender Übergang. Ich bin erst zu Beginn meines Studiums das erste Mal in einem Fitnessstudio gewesen. Damals war ich Anfang 20. Ich war doch sehr verwundert, dass in den vielen kommerziellen Studios nur sehr wenig davon gemacht wird, was ich im Studium über effektives und strukturiertes Training gelernt habe. Keiner konzentriert sich auf die Trainings-Basics. Die Tätigkeit neben dem Studium als Fitnesstrainer zu arbeiten, stand dann nach einem kleinen Praktikum relativ schnell fest. Es hat einfach Spaß gemacht mit Menschen zu trainieren. Im Laufe der Jahre habe ich mein Wissen über Training und Ernährung dann in diversen Fortbildungen weiter vertieft. Mich haben in der Fitnessbranche allerdings schon immer einige Dinge gestört. Zum Beispiel die vielen billigen und falschen Werbeversprechen mit ihren angeblichen Abkürzungen. Ebenso die schlechte Betreuung der Kunden in den ganzen Discount-Studios. Ich hab mir also gedacht, wenn dich etwas stört, dann mach es besser. Zwischen Bachelor- und Masterstudium kam dann die Ausbildung zum Personal Trainer. Dort habe ich alles Wichtige über Steuern, Marketing, Kommunikation, Versicherung usw. gelernt. Also Dinge, die man in einem Studium der Sportwissenschaften nicht lernt."

Nuts: "Wäh, ohja. Auch sowas muss sein. Ich persönlich finde das ja den nervigsten Teil der Selbstständigkeit. (grinst) Also zu Erfreulicherem: Was gefällt dir am Personaltrainer Dasein besonders?"

Niels: "Ich denke, das ist sicherlich die Abwechslung. Mal bin ich bei Kunden zu Hause, mal bin ich an der frischen Luft eine Runde laufen. Am nächsten Tag leite ich dann wiederum zum Beispiel ein intensives Kleingruppentraining im Studio. Vorher sitze ich zu Hause und plane alle Einheiten selbst. Ich genieße es, dass ich keine Vorschriften habe und immer Neues ausprobieren kann. Man merkt dann mit der Zeit was funktioniert und was nicht. Wenn ich dann die Begeisterung meiner Kunden spüre, fühlt sich das richtig gut an. Es gibt nichts Schöneres als Dankbarkeit."

Nuts: "Wie sieht denn im Gegensatz dazu dein Privatleben aus? Wie arg sind Beruf und Privatleben bei dir verknüpft?"

Niels: "Da ich entweder vor oder nach der Arbeit selbst trainiere oder bei manchen Einheiten mit Kunden aktiv dabei bin, sind Beruf und Privatleben beim Sport sehr eng beieinander. Wenn ich freie Tage habe, dann genieße ich die Zeit auch ganz bewusst ohne Sport und treffe mich mit Freunden. Allerdings komme ich oft erst spät abends nach Hause, deshalb klappt das mit den Freunden oft nur am Wochenende. Wenn man selbständig ist, dann muss man sich die freie Zeit nehmen. Ansonsten könnte man wohl Rund um die Uhr arbeiten."

Nuts: (nickt) "Ohja! So, und was ist deine liebste Sportart?"

Niels: "Das ist sicherlich Fußball. Da ich selbst seit knapp 25 Jahren aktiv spiele und mich auch während meinem Studium intensiv damit beschäftigt habe, kenn ich mich da bestens aus. Generell bin ich aber von vielen Sportarten begeistert und möchte auch ständig neue Sportarten auszuprobieren und darin besser werden. In den letzten Jahren war das zum Beispiel Parcours, Judo und Olympisches Gewichtheben."

Nuts: "Woran machst du fest, dass der Weg als Personaltrainer der richtige für dich ist?"


Niels: "Ich habe einige Zeit für ein Pflichtpraktikum in einem Reha Zentrum gearbeitet. Ich war dort täglich knapp 6 Stunden. Die Arbeit war monoton und alles hatte seinen vorgegebenen Ablauf. Es war einfach nicht mein Ding. Ständig hab ich mich dabei erwischt auf die Uhr zu schauen. Wann ist endlich Feierabend? Wann ist endlich Wochenende? Bei meinem Job als Personal Trainer ist das ganz anders. Schon auf dem Weg zur Arbeit spüre ich eine innere Freude, endlich das Training mit meinen Kunden durchzuführen. Wenn ich dann in meinem Element bin, vergeht die Zeit wie im Flug. Einfach ausgedrückt: es fühlt sich nicht wie Arbeit an" (Grinst glücklich)

Foto: Nuts Photography

Nuts: "Das ist schön! Was genau würdest du sagen treibt dich weiter an? Was motiviert dich?"

Niels: "In meinem Beruf ist es wichtig sich ständig fortzubilden. Mehrmals im Jahr bin ich deshalb deutschlandweit unterwegs. Nicht nur dass ich viele neue Dinge lerne, sondern auch der Austausch mit anderen erfolgreichen Trainern gibt mir immer einen Schub und motiviert mich jedes Mal aufs Neue."

Nuts: "Was denkst du sagt dein Beruf über dich aus? Wie sehr identifizierst du dich damit?" 


Niels: "Ich bin der Meinung, dass man seinen Beruf schon irgendwie vorleben muss. Ich versuche also mich gesund zu ernähren und sportlich aktiv zu sein. Mir fällt es auch nicht schwer. Trotzdem versuche ich damit nicht jedem auf die Nerven zu gehen, weil ich weiß dass für viele der Sport eben nicht so einen hohen Stellenwert hat. Viele denken aber, sie müssen sich bei mir rechtfertigen, wenn sie nicht so viel Sport machen oder weniger auf die Ernährung achten. Das soll aber jeder selbst für sich entscheiden. Ich werde nicht gern als „Fitness-Freak“ betrachtet, der allen mit seinem gesunden Lifestyle auf die Nerven geht."

Nuts: "Ich denke wenn man Selbstständig ist sollte man immer Ziele vor Augen haben. Also: Was sind deine Ziele und Träume?"

Niels: "Ich sehe mich noch am Anfang meiner Selbständigkeit und möchte diese erst einmal weiter ausbauen. In ein paar Jahren würde ich schon gerne ein eigenes Studio eröffnen. Dazu hab ich auch schon genaue Vorstellungen."

Nuts: "Wie schwer beziehungsweise leicht findest du es deinen Traum zu leben? Gibt oder gab es Hindernisse?" 

Foto: Nuts Photography
Niels: "Das größte Hindernis in meinem Beruf ist es, dass Personal Trainer kein anerkannter Beruf ist. Das bedeutet jeder kann sich so nennen. Es gibt unzählige gute aber auch schlechte Ausbildungsmöglichkeiten. Es gibt Quereinsteiger, Physiotherapeuten, Fitnessökonome oder Trainer die Sport studiert haben. Es gibt keinen Standard. Ein Kunde kann nicht erkennen was sich hinter den ganzen Lizenzen und Diplomen verbirgt. Meine Arbeit wird deshalb oft nicht respektiert und wertgeschätzt. Ich denke, das wichtigste ist die Einstellung die man selbst dazu hat. Ich sage mir immer, „mein Wissen hat einen Wert. Einen Wert, von dem ich auch leben möchte“. In meinem Studium habe ich nichts über Selbständigkeit und Unternehmertum gelernt. Das musste ich mir erst selbst aneignen. Generell ist es wichtig ein breites Netzwerk aufzubauen, um in Bereichen Unterstützung zu bekommen, in denen man sich nicht so gut auskennt. In meinem Fall sind das Steuerberater, Fachanwälte, Ärzte, Physiotherapeuten und Trainerkollegen."



Nuts: "Stimmt. Ich selbst sage das auch immer wieder. Wenn du etwas selbst nicht gut bewältigen kannst, dann such dir eben genau diese Leute, die es können. 
Also, man merkt es dir an! Du hast deine Leidenschaft definitiv gefunden. 
Was denkst du - wie findet man seine Leidenschaft?"

Niels: "Ich denke man sollte nicht krampfhaft und endlos nach seiner Leidenschaft suchen. Das blockiert nur. Es ist okay wenn man erst mal mit etwas beginnt, das einen nur „mehr interessiert“. Erst durch Erfahrungen merkt man ob es wirklich eine Leidenschaft ist. Wenn man in einer bestimmten Sache dann immer besser wird und trotz einiger Rückschläge und Fehler am Ball bleibt, könnte es das Richtige sein."

Nuts: "Du hast es eben schon angedeutet, aber ganz konkret: Was unterscheidet dich deiner Meinung nach von anderen Personaltrainern?"

Niels: "Es gibt einige Trainer die sich von jedem Fitnesstrend locken lassen und springen von einer zur nächsten Trainingsmethode ohne darüber nachzudenken. Mal machen sie Vibrationstraining auf Platten, dann EMS-Training (Muskelstimulation) und am nächsten Tag sind sie „Faszientrainer“. Ich halte z.B. das klassische Training mit freien Gewichten für die effektivste Methode des Krafttrainings. Meiner Meinung nach sollte man altes Wissen, welches sich bewährt hat auch erhalten. Man braucht das Rad nicht neu erfinden. Jedoch sollte man auch immer „up to date“ bleiben. Ein guter Personal Trainer bezieht sein Wissen jedoch nicht aus Youtube oder Facebook, sondern aus internationaler Fachliteratur und englischsprachigen Journals. Ich habe einige Prinzipien, die bei meiner Arbeit wichtig sind:"
(Zählt auf)
- Neutrale Fakten (Anatomie, Physiologie, Trainingslehre)
- aktuelle Studienlage (was funktioniert wirklich?)
- Erfahrungen von Experten (Heißt Wissenschaftler und internationale Top Trainer, keine „Youtube-Stars“)
- eigene Erfahrungen von mir selbst oder mit der Arbeit mit meinen Kunden
Jeder Personal Trainer sollte meiner Meinung nach nicht nur selbst trainieren, sondern auch alles was er anbietet selbst getestet haben. Viele Trainer schreiben ihren Kunden die wildesten Pläne ohne es selbst ausprobiert zu haben. Ich habe jede Übung und jedes Trainingsprogramm auch schon selbst trainiert oder trainiere sie immer noch. Nur so weiß ich wie es sich anfühlt."


Nuts: "Auf was in deiner bisherigen Berufskarriere bist du bis jetzt besonders stolz?"

Niels: "Ein einzelnes Ereignis gibt es da nicht. Mich machen generell die Erfolge meiner Kunden stolz. Das ist dann ganz unterschiedlich. Mal freut es mich wenn ein Kunde endlich seine Rückenschmerzen los hat. Bei einem anderen Kunden ist man stolz, dass der erste Halbmarathon erfolgreich absolviert wurde. Wenn man das Leben von anderen Menschen auf eine positive Art verändert und dafür Dankbarkeit erhält ist das schon sehr cool." (grinst breit)

Nuts: "So, kommen wir langsam zum Ende. Hast du denn noch einen Tipp an diejenigen, die ihre Leidenschaft zum Beruf machen möchten?"

Niels:" Lass dir nicht einreden, dass du mit deiner Leidenschaft kein Geld verdienen kannst. Folge deiner Intuition. Wenn du etwas machst was dir Spaß macht - ganz egal was es ist - und du bist richtig gut darin, wirst du auch davon leben können. Wenn du wirklich brennst, kommen alle und wollen am Feuer stehen!" (zwinkert)

Nuts: "Sehr schöner abschließender Satz!!! Danke für das tolle Gespräch, Niels. Dennoch noch hinzuzufügen sind deine Social Media Kanäle"

Niels: "Auf diesen Kanälen bin ich zu finden:"

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