Erfahrungsbericht

99 Fire Films Award Preisverleihung - meine Sicht

13:28


Meine Erlebnisse zur 99 Fire Films Award Preisverleihung




Ja, wo fang ich da an?
Vielleicht direkt am Anfang?

Vielleicht haben es tatsächlich noch nicht alle mitbekommen, aber ich hab beim diesjährigen „99firefilms-Award“ mitgemacht.
Wie sicherlich wiederum viele, aufgrund meines Votinghilferufs, mitbekommen haben kamen wir sogar eine Runde weiter und von ~3130 Teilnehmern in die Top99. 

Ich möchte gar nicht viel über den Dreh oder den Filmaward und seinen fragwürdigen Sponsor (McDonalds) reden, aber so viel: Obwohl uns schnell klar wurde, dass wir keinen der ersehnten Preise gewonnen hatten, wurde uns dennoch die Möglichkeit geboten als Teil der Top99 zur Gala und der damit verbundenen Preisverleihung zu kommen, worüber wir uns sehr freuten!
Und darüber soll es jetzt gehen.

Ja, tatsächlich, ich hatte mich riesig gefreut, als klar war, dass ich nach Berlin fahren würde und bei der „roten Teppich Veranstaltung“ live dabei sein dürfte. Ich sah das als Ehrung der Arbeit von 99 Filmteams an und bei einem solchen Event war man ja auch nicht jeden Tag eingeladen und sollte daher eine spannende Erfahrung werden!
Ja, ich war auch ein kleines bisschen aufgeregt, was der Abend so mit sich bringen würde… bis wir dann in Berlin waren....

Pünktlich, noch vor Einlass (20 Uhr), standen wir um 19:30 Uhr vor dem Admiralspalast. Direkt am Eingang fing es direkt damit an, dass die Organisation irgendwie nicht wirklich geregelt zu sein schien.
Wir wurden erst vom Türsteher zu einem Stand geschickt, welcher uns wiederum zum nächsten Stand schickte, wo wir dann eine Weile warteten, um am Ende zu erfahren, dass wir auch hier in der falschen Schlange standen. „Ach, nur die Top99? Dann da hin“… 
Nunja, gut. Kein Problem. Ich bin nicht unbedingt gute Organisation gewohnt, das ließ sich verkraften.

Weiter ging es dann zum roten Teppich, wo auch schon die anderen Teams auf den Einlass warteten. Schon im Vornherein wurde uns mitgeteilt, dass wir zügig über den roten Teppich gehen sollten, und Fotos lieber im Anschluss machen sollten. 
Doch als wir dann eine ganze Weile warteten, bis uns eine der Hostessen bat vom roten Teppich wegzugehen und lieber hinten rum zum Eingang zu gehen, war ich schon leicht irritiert. Was war die Angst? Dass wir den Promis die Show stehlen würden? Dass wir den roten Teppich beschmutzten?
Naja... gut... ja, ein komisches Gefühl hinterließ es schon, dass wir nicht mal schnell rüber huschen durften… Ja, klar sind wir keine Promis, aber so ein bisschen Ehrenfeeling für seine geleistete Arbeit wäre für 5 Minuten doch zumindest ein schöneres Gefühl gewesen, als ganz heimlich hinten rum reingeschmuggelt zu werden.
Die Fotografen hätten ja nicht mal Fotos machen müssen...
Nunja, gut. Kein Problem, dachte ich mir wieder, wenn auch etwas traurig. Dann eben nicht.

Oben angekommen standen wir erstmal eine ganze Weile im Foyer in dem ein großer Fernseher aufgebaut war.
Der Eintritt zum Veranstaltungsraum wurde uns vorerst verwehrt und so langsam beschlich mich das Gefühl, dass der Fernseher für die Top99 vorbestimmt war.
Immer mehr Leute mit Armbändern wurden rein gelassen, wir, die ~ 198 Leute aus den Top99 jedoch nicht.

Keine Kosten und Mühen gescheut für ein riesiges Leinwandfeeling im Foyer
Nach etwa 30 Minuten wurde uns der Zugang dann aber doch geöffnet. Drei Schritte bis unter die Bühne kamen wir, dann war erneut warten angesagt und wir durften nicht weiter in den Veranstaltungsraum. Unterdessen drückten sich jede Menge "bekannte Gesichter" vorbei, die wiederum ohne Zögern rein gelassen wurden.
Spätestens da wurde mir klar: der Raum sollte erstmal mit den Reichen, Schönen und Bekannten gefüllt werden. Erst danach sollten die restlichen, nicht besetzten Plätze befüllt werden.
Mein Freund, ich und die Gruppe, mit der wir uns nach etwa 1 Stunde Rumstehen ins Gespräch gekommen waren, standen ganz vorne und als dann um 21:10 Uhr tatsächlich gesagt wurde, dass wir nun auch Platz nehmen könnten waren bereits die meisten Plätze belegt. Und wie gesagt: Wir waren die ersten in der Schlange und dennoch fanden wir nur Plätze in der letzten Reihe.

Hier kommt ihr in den Genuss meines Ausblicks auf die Leinwand

Wir versuchten so viele Leute wie möglich bei uns auf die Bank zu bringen - denn wie wir feststellen mussten hatten es nicht alle so weit geschafft wie wir... einige der Top99 durften tatsächlich, wie von mir anfangs befürchtet, die Veranstaltung im Foyer auf dem kleinen Fernseher mitverfolgen.
Direkt schoss mir durch den Kopf, dass ich gerade 630 km hinter mich gebracht hatte, mich davor noch stundenlang gefragt hatte, was man denn zu so einer Gala tragen sollte...
Im Gegensatz zu vielen hatte ich zumindest einen Schlafplatz in Berlin und musste dafür nichts buchen.
Kaum auszudenken, wie ich mich gefühlt hätte, wenn ich diese Reise und die damit verbundenen Kosten auf mich genommen hätte, um alles auf einem kleinen Bildschirm im Foyer zu verfolgen... Ich hätte einen der rumgereichten Burger vermutlich mitten auf die Fläche gekotzt…

Fassungslos verfolgte ich also die weitere Veranstaltung, die dieses mulmige Gefühl leider auch nicht abschütteln konnte. Eine Veranstaltung, die vor Lobhudelei und Werbung gerade zu triefte.
Werbung für den 99firefilms Award natürlich (was der Gewinn doch alles für tolle Chancen bringen würde) aber auch für eine weitere Partnerplattform, bei der man für eine Marke Filmideen einreichen kann.  Der Wortlaut war in etwa: "Wir möchten den kommerziellen Aspekt vom 99firefilms Award fern halten…“ (wer’s glaubt) „… und haben daher eine neue Plattform gegründet. Such dir dort ein Projekt aus, erstelle ein Pitch Video mit deiner Idee und sichere dir den Job!"
Geile Scheiße. Endlich kann ich meine Ideen einreichen und das Unternehmen darf frei über diese verfügen, wovon sie nur Eine prämieren müssen? Das ist etwas, wovon ich schon immer geträumt habe. Nicht mehr kreativ arbeiten, sondern sich Marketingexperten, Ideenfindungsprozesse, etc. sparen und direkt die Ideen von jungen, kreativen Köpfen einsammeln und schauen was man daraus macht. Welcher Autor träumt nicht davon für eine solche Plattform Ideengeber zu sein?
Wahrscheinlich wäre diese Plattform schon ein eigener Artikel wert, da ich mich aber nicht weiter damit befasst habe, lass ich es erstmal dabei.

Zu den Gewinnerfilmen möchte ich gar nicht wirklich viel sagen. Da waren wirklich klasse Filme dabei, gar keine Frage, auffallend war nur, dass McDonalds in allen Filmen eine größere Rolle spielte.
Sogar der Film, bei dem man es fast gar nicht für möglich gehalten hätte, dass er mit seinem negativen Beitrag gegenüber McDonalds gewinnen könnte, war durchgehend mit Fastfood Produkten übersät.
Wie sagt man so schön: Bad Publicity is better than no publicity.
Im Übrigen: Einzig ein ausgezeichneter Film war von einer Frau und hatte die Marke so gut wie gar nicht im Bild. Diese erhielt allerdings auch 'nur' den Sonderpreis und war daher vorher gar nicht bekannt gegeben worden.
Und ja, doch, eine Sache muss ich noch loswerden. Als das diesjährige Thema und der damit verbundene Sponsor bekannt gegeben worden war, war ich kurz davor das Ganze sein zu lassen und kämpfte lange mit meinem Gewissen am Wettbewerb teilzunehmen. Trotzdem entschloss ich mich nicht abzubrechen und einen Film zu produzieren, da ich ein Team hinter mir hatte, mit welchem ich vorher nie zusammengearbeitet hatte und dieses nicht im Stich lassen wollte. Meine Bedingung war McDonalds keinen Platz zu geben und die Produktplatzierung neben anderem „Müll“ ganz dezent einzublenden. Und ja, klar, die Enttäuschung ist dann schon groß, wenn man sieht, dass genau die Filme gewonnen haben, die entweder den McDrive oder eben die Liebe oder den Hass auf Burger feiern und somit doch nur auf Mc Donald ausgerichtet sind.

Aber okay... Auszeichnungen sind ja eh immer so eine Geschmackssache, oder?

Ratz fatz wurde die Verleihung dann durchgezogen, und bis auf Werbung war ehrlich gesagt nicht viel bei mir hängen geblieben.
Bei mir machte sich ein ganz ungutes Gefühl breit. Was war das? 

Ich versuchte also den Abend schön ausklingen zu lassen und diesem – bis auf die kostenlosen Getränke – noch etwas Schönes abzugewinnen. Neue Kontakte zu knüpfen. Und ja, das war tatsächlich das einzig positive an diesem Abend: Die tollen, neuen Bekanntschaften und wahnsinnig faszinierenden Künstler, die ich dort kennen lernte. Witzig war übrigens, dass die meisten Leute, die ich an dem Abend kennenlernte aus meiner Gegend kamen. Manche studierten derzeit an der gleichen Hochschule, wie ich studiert hatte. 

Zum Ende des Abend kamen aber nochmal zwei Ereignisse hinzu, die mich ernsthaft grübeln ließen, was mit den Leuten dieser Veranstaltung nicht stimmt. Nein, und damit mein ich nicht die skurrilen Personen, die auf der Toilette weißes Pulver bestaunten. Erlebnisse mit „Promis“, die sich selbst ganz besonders wichtig empfanden, obwohl ich für meinen Teil nicht mal wusste, mit wem ich es zu tun hatte und nur von Umherstehenden erfuhr.
So eine abfällige, herabwürdigende Art hab ich bisher glaub ich noch nie erlebt und ließ mich zum krönenden Abschluss nochmal als etwas ganz Besonderes fühlen.
Ein Beispiel? Nachdem ich zuvor schon eine ganze Weile Blitzlichtgewitter am Photobooth abgewartet hatte, stellte ich mich nach dem Bilder machen, in die Drucker-Schlange.
Ein arroganter Er stellte sich nach etwa 10 Minuten anstehen ganz selbstverständlich vor mich.
Ich: „Entschuldigung, hast du dich gerade vorgedrängelt? Ich steh hier schon eine ganze Weile...“ Er: „Also... bitte.... DEIN Bild wird doch eh erst später bearbeitet...“ Nett war aber auch folgende Story:
Ich hole meine Jacke an der Garderobe ab, der Hostess dort hat meinen Zettel bereits entgegen genommen und wartet darauf, dass die Person hinter mir ihr Ticket ebenfalls abgibt, sie bemerkt aber nicht, dass sie bereits an der Reihe ist. Ich: „Ich glaub du kannst ihm dein Ticket geben!“ Sie, runzelt die Stirn und lacht: „Ah hahahahahahha, mein Ticket? Ich hab ja wohl mehrere Tickets!“ Ich weiß bis heute nicht was das sollte und hab den (wohlbemerkt sehr abfällig ausgesprochenen) Witz bis heute nicht verstanden.

Natürlich kann der 99firefilms Award für die letzten Erlebnis reichlich wenig, es trug aber zusätzlich dazu bei, dass dies mich doch eher fragwürdig und enttäuscht auf den Zweck der Veranstaltung zurückblicken lässt. 
Warum haben solche Leute Vorrang? Warum bekommen diese B,C,Z Promis alles in den Poppes geschoben und die volle Aufmerksamkeit, während wir Filmemacher, die Zeit, Schweiß, Blut, Geld in einen in nur 99 Stunden gedrehten Film gesteckt haben, durch die Hintergasse eingeschleust werden, stundenlang warten müssen, um dann doch nur in der letzten Reihe oder sogar gar keinen Sitzplatz zu bekommen und nicht ein einziges Mal ein bisschen das Gefühl der Würdigung und Wertschätzung vermittelt zu bekommen?

Mein Freund meinte die ganze Zeit "Hast du wirklich was anderes erwartet?"
Ja, tatsächlich, das habe ich. Das war doch eine Veranstaltung für Filmemacher, oder hatte ich was verpasst?
Warum ging es dann nicht um diese? Warum hatte man durchgehend das Gefühl, dass es um Geld , Werbung und Stars und Sternchen ging?
(Mal abgesehen davon, dass mit Matthias Schweighöfer monatelang geworben wurde und er das Gesicht des diesjährigen Awards war, dann aber - ach so plötzlich - nicht mal anwesend war. Die Lachnummer hatte ich ja bisher ganz vergessen zu erwähnen…)

Ich hab mich nach dem Abend richtig schlecht gefühlt. Aufgewühlt. Wie die Hintergrundbemalung für eine Scheinwelt. In der es um alles ging, nur nicht um Kunst.

Was ich daraus mitbekommen habe? Es ist nicht alles Gold was glänzt.
Ob ein solcher Filmpreis für mich weiterhin erstrebenswert ist? Vielleicht habe ich für diese Art Medienlandschaft doch ein bisschen andere Wertevorstellungen… und ich frage mich, ob man so werden muss, um erfolgreich in diesem Job zu sein. 
  


PPS: Gerne stell ich auch nochmal unseren Film und Fotos vom Team online. Das passt nur nicht ganz hier rein :-D 

PS: Ja, ich weiß, ich hab ewig nicht gebloggt und dann sowas. Aber irgendeine Plattform musste ich finden, um meine Eindrücke runterzuschreiben.

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